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Foto: Charlemagne Palestine beim 11. Ambientfestival an der Orgel umgeben von Kuscheltieren © Pramudiya, Nathan Ishar

Donnerstag: Die Avantgarde der Klänge

Das 12. Ambientfestival startet am Donnerstag mit Orgel, Klavier und Elektronik. Der kanadische Komponist John Kameel Farah kombiniert Elektronik und arabische Harmonien mit barocken Klangstrukturen an Synthesizer und Orgel.

Anschließend stellt Kai Schumacher, einer der talentiertesten jungen Pianisten Deutschlands, sein neues Album „Rausch“ vor. Man könnte seine rhythmische Musik auch als „analogen Ambient-Techno“ bezeichnen.

Dritter im Bunde ist der international renommierte Elektroniker Marcus Schmickler, der als Kölner in der Tradition von Karl-Heinz Stockhausen steht und als Schlüsselfigur der zeitgenössischen Experimentalmusik gilt.

Freitag: Passionsmusik der Moderne

Der Freitag hingegen steht ganz im Zeichen des Passionsgeschehens. Passion bedeutet Leidenschaft und diese zelebriert der 71jährige Lubomyr Melnyk am Klavier.

Melnyk wird als „Prophet des Pianos“ oder „rasender Rasputin“ bezeichnet und gilt als schnellster Pianist der Welt. Mit seiner Spieltechnik, der Continuous Music, erzeugt er Klangwellen, die nicht nur jeden Gegenstand in der Kirche zum Klingen bringen, sondern auch Gefühlszustände auslösen wie der Karfreitag bei Christen: Empathie, Ehrfurcht und Ergriffenheit. Unter seinen jungen Fans gibt es sogar den geflügelten Ausdruck: „Lubomyr hören und sterben“.

Vor Melnyk wird der 1Live Radiomoderator Klaus Fiehe ein Ambient-Set am Plattenspieler zusammenstellen, um den Abend einzuleiten. Das Highlight an diesem Freitag ist das Echo Collective aus Brüssel, das als Streichquartett das letzte Werk des verstorbenen Ambient-Komponisten Jóhann Jóhannsson aufführt. 2019 erschien das Stück beim Musiklabel Deutsche Grammophon: „12 Conversations with Thilo Heinzmann“. Es ist geniale Passionsmusik des 21. Jahrhunderts mit der Tiefe eines Mozart-Requiems. Traurig und berührend zugleich.

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Foto: Die Ambient-Konzertabende in der Apostelnkirche bieten ein einzigartiges Musikerlebnis auf riesigen Teppichflächen © Pramudiya, Nathan Ishar
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Foto: Licht-/Videoinstallation im spätromanischen Gewölbe © Pramudiya, Nathan Ishar

Samstag: So schön klingt Auferstehung

Den krönenden Abschluss des Festivals gestalten am Samstag der Komponist Sven Helbig, der ein Werk für Chor und Live-Elektronik zusammen mit dem Kammerchor fiat ars aufführt. Und Martin Kohlstedt, der am Klavier das 12. Ambientfestival beendet. So schön muss Auferstehung klingen und aussehen: Das Videokonzept entwickeln an allen Tagen Studierende der Köln International School of Design.

Helbigs Stück „I Eat the Sun and Drink the Rain“ für Chor und Live Electronics wurde seit seiner Uraufführung 2016 zum weltweit meistgespielten neuen Chorwerk; seine Köln-Premiere wird es am 21.03. beim Ambientfestival feiern.

In dem klanggewaltigen Stück treffen Chorflächen auf pulsierende Synthesizer-Drones und A-Cappella-Akkorde schichten sich über digitale Klangschöpfungen. Helbig stellt in dem Werk die existenzielle Frage: „Wo bleibt in einer digitalisierten Welt die Menschlichkeit?“

Die Antwort wird das Publikum hören. Auch bei den letzten Tönen am Konzertflügel von Martin Kohlstedt. Ein berauschender Wirbel aus Klaviermelodien und elektronischen Landschaften ohne Grenze zwischen neu und alt, analog und digital. Sound und Struktur treten hinter den Wunsch, Momente einfach zuzulassen. Als Motiv sind sie für Kohlstedt so inspirierend wie die Sprache seiner Hände für uns – Musik als ein sozialer Zustand oder die Ahnung einer Ewigkeit nach der Auferstehung.

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Foto: Westbau während des Ambientfestivals © Pramudiya, Nathan Ishar

Festivalprogramm RE-SUR-REC-TIO

Do., 19.03.2020
John Kameel Farah
Kai Schumacher
Marcus Schmickler

Fr., 20.03.2020
Klaus Fiehe
Lubomyr Melnyk
Echo Collective plays Jóhann Jóhannsson

Sa., 21.03.2020
Sven Helbig & Kammerchor fiat ars
Martin Kohlstedt

Einlass: um 20:30 Uhr
Ort: Basilika St. Aposteln, Neumarkt 30, 50667 Köln